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Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2024

In welcher Form erinnere ich an die Shoa? Mit dieser Frage haben sich in diesem Schuljahr am Hölderlin-Gymnasium zwei Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 2 intensiv beschäftigt. Anlass hierfür war der Besuch der Filmemacher Sagi Bornstein und Udi Nir (Uploading Holocaust) und Nirit Ben-Joseph (You look so german!) in Heidelberg und die Möglichkeit, sich mit den Filmemachern in einer Diskussionsrunde auszutauschen.

Alexander Lenz

Titelbild und Bilder: Sabrina Zinke

Gedenken an die Shoa – Erinnerungskultur an israelischen Schulen

Youtube Videos von Jugendlichen auf Klassenfahrt – lachende Gesichter, dumme Streiche und gemeinsame Abenteuer. Das würde man in Deutschland zumindest erwarten. In Israel ist das zwar ähnlich, aber der Mix aus Klassenfahrt-Stimmung und Lehrern, die ihre Schüler zu einem mentalen Zusammenbruch drängen, wirkt hier zu Lande doch etwas bizarr.

Doch genau das ist das Ziel der Polenfahrt, welche jedes Jahr viele junge Israelis aus Israel schon seit über 30 Jahren antreten. Es wird als der Höhepunkt ihrer Bildung über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust gesehen. Sie sollen hautnah miterleben, was ihre Vorfahren erleiden mussten. Es wird dabei alles so realistisch wie möglich dargestellt.

Der Film „#Uploading Holocaust“ von Sagi Bornstein und Udi Nir zeigt dabei viele Zusammenschnitte aus unterschiedlichen Videos: ob in den 1980ern oder heute, egal bei welcher Jahreszeit, der Ablauf ist immer gleich. Erst wird ein Friedhof besichtigt, dann Auschwitz und weitere Vernichtungslager und zuletzt die Gruben, in welchen die Nazis tausende Kinder erschossen.

Stark emotionalisierte Jugendliche sind auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit der schwierigen Geschichte ihres Volks. Das führt zu bizarren Szenen wie Jugendliche, die sich halb nackt auf die Schienen in Auschwitz setzen, um „nachzufühlen“ und „zu leiden“ wie ihre Vorfahren, die dort ermordet wurden. Die Lehrer drängen sie noch mehr in diese Richtung, um ihre Schüler emotional zu brechen. Und es funktioniert. Szenen von weinenden und schreienden Schülern, die auf dem Boden liegen, sind im Film an vielen Stellen eingebaut.

Der Film kritisiert diesen Umgang mit einem so hoch sensiblen Thema. Auch die Filmemacher selbst äußerten sich zu ihren Erfahrungen auf der Polenfahrt, denn einer von ihnen hatte sie selbst als Jugendlicher miterlebt. Sie stellen in Frage, ob diese Fahrt jungen Jüdinnen und Juden hilft einen Umgang mit ihrer Geschichte zu finden. Ist der Unterricht zu einseitig? Warum fahren die Jugendlichen nicht auch nach Deutschland, um dort an Gedenkstätten über den Holocaust zu lernen? Diese Fragen stellten sich die Filmemacher und durch den Film wird auch der Zuschauer zum Nachdenken angeregt.

Sich als Deutscher eine Meinung über die Verarbeitung des Zweiten Weltkrieges in anderen Ländern zu bilden, erscheint mir nicht sehr sinnvoll. Wir nehmen dabei einfach eine andere Perspektive ein, da Deutsche im Zweiten Weltkrieg die Täter waren und nicht die Opfer. Dennoch fällt es schwer bei den völlig emotional gebrochenen Jugendlichen zu verstehen, warum man den Unterricht so ausrichten muss, dass es ihnen so schlecht geht.

Ist es wirklich sinnvoll, das Trauma auf diese Weise über die Generationen hinweg aufrecht zu erhalten oder sollte man vielleicht über konstruktivere Wege der Aufarbeitung nachdenken?

Carla Roth